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DATAFIED: Virtuelles Verbundtreffen – Wie geht es weiter im Jahr 2021?

Ein Screenshot vom virtuellen Verbundtreffen mit allen Teilnehmer*innen

So langsam entwickeln wir eine Routine bei der virtuellen Durchführung unser Verbundtreffen. Leider konnten wir uns corona-bedingt wieder nicht persönlich treffen. Die Laune war jedoch trotzdem bestens.

Am Mittwoch, den 11.11.2020, trafen wir uns zunächst, um den aktuellen Stand in den vier Teilprojekten zu besprechen. Jedes Teilprojekt hatte zusätzlich etwas zur Diskussion mitgebracht. Von einem grundlegenden Text über den „Wandel von Schulsteuerung und Schulaufsicht“ über „Methoden des Walktroughs zur Analyse von Lernsoftware“ bis hin zur Betrachtung einzelner Transkript-Auszüge aus Unterrichtsbeobachtungen war alles dabei. Wieder zeigte sich die Interdisziplinarität des Projektteams als Stärke: Durch die verschiedenen fachlichen Perspektiven entstanden spannende Diskussionen und weitere bi- und trilaterale Treffen zur weiteren Vertiefung wurden vereinbart.

Der zweite Tag des Verbundtreffens am Donnerstag, den 12.11.2020, stand ganz im Zeichen der Frage „Wie geht es weiter mit DATAFIED in 2021?“. Insbesondere die Schulschließungen und die auch jetzt noch angespannte Lage in den Schulen stellen unsere Datenerhebung vor große Probleme. Gemeinsam wurden verschiedene Strategien diskutiert und ein Schlachtplan für das kommende halbe Jahr entwickelt.

Konkreter ging es dann auch noch um die Form der Ergebnispräsentation. Unsere wissenschaftliche Koordinatorin Dr. Annekatrin Bock hatte verschiedene Buchvarianten vorbereitet anhand derer wir gemeinsam die Vor- und Nachteile bspw. der Veröffentlichung in deutscher oder englischer Sprache diskutieren konnten. Auch über den Transfer der Projektergebnisse zu unseren Praxispartnern wurde diskutiert. Wir wollen unsere Ergebnisse nicht nur für die Wissenschaft aufbereiten, sondern insbesondere die (teilnehmenden) Schulen sollen „etwas zurückbekommen“ und für ihren Arbeitsalltag mitnehmen können.

Wir hoffen zeitnah die noch offenen Datenerhebungen durchführen zu können und freuen uns darauf, nun vermehrt gemeinsam auch über die Grenzen von Teilprojekten hinweg in die Analyse des gesammelten Materials einsteigen zu können. Bei unserem nächsten Verbundtreffen sind Pitches zu möglichen Buchkapiteln geplant.

Digitale Bildung in den USA und Deutschland: Versprechungen und Herausforderungen

Am 21. Oktober nahm Andreas Breiter als Leiter des Projekts DATAFIED an einer internationalen Podiumsdiskussion über die Zukunft der digitalen Bildung teil. Sie wurde von der Deutschen Botschaft in Washington, dem Deutschen Generalkonsulat in San Francisco und dem Deutschen Zentrum für Forschung und Innovation (DWIH) New York organisiert. Er diskutierte die aktuellen Entwicklungen in beiden Ländern sowie Chancen und Risiken mit vier weiteren Experten: Barbara Holzapfel (VP Microsoft Education), Maureen McLaughlin (U.S. Department of Education)

Prof. Dr. Christoph Meinel (Geschäftsführer und wissenschaftlicher Direktor, Hasso-Plattner-Institut für Digitaltechnik (HPI)).

In der Diskussion war seine Hauptaussage ein Déja-vu: Vor 20 Jahren sammelte er für sein Promotionsprojekt Daten in US-Bundesstaaten (CA, MA, IL) und Distrikten sowie in Schulen. Diese wurden mit dem deutschen Schulsystem verglichen. Das erste Ergebnis war die unterschiedliche Geschwindigkeit der IKT- und Medienintegration in der Unterrichtspraxis und im Schulmanagement sowie in der Bildungspolitik (Breiter 2000). Das „Bindeglied“ zwischen Schulentwicklung, Bezirksentscheidungen und staatlicher Politikgestaltung war der damals so genannte „Technologieplan“.  Er war hauptsächlich pädagogisch ausgerichtet und definierte die Anforderungen an die IKT-Infrastruktur. In den USA wurde von jeder Schule, jedem entsprechenden Schulbezirk und dem Bildungsministerium jedes Bundesstaates ein Technologieplan verlangt. Sogar auf föderaler Ebene (ebenso machtlos wie in Deutschland) gab und gibt es einen „Federal Technology Plan“ (derzeit zur Überarbeitung in einem Online-Konsultationsverfahren offen: https://tech.ed.gov/netp/). In Deutschland wurde die Notwendigkeit der Planung der IKT-Infrastruktur im Bildungsbereich lange Zeit vernachlässigt. Erst mit dem neuen DigitalPakt Schule wurde erst ab 2018 die Förderung von Schulen (und Schulträgern) zur Voraussetzung gemacht.   

Das zweite Ergebnis war die Notwendigkeit eines föderalen Engagements. Bereits 1996 startete die US-Regierung im Rahmen des Telekommunikationsgesetzes ein Programm zur Infrastrukturförderung: die e-Rate. Bis heute unterstützt es besonders ärmere Distrikte (und Schulen) bei der Verbesserung ihrer IKT-Infrastruktur und ist mehr als 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr (ca. 100.000 öffentliche Schulen) wert. Deutschland startete vor zwei Jahren im Jahr 2019 mit einem 5-Jahres-Programm (DigitalPakt Schule) mit einem Gesamtvolumen von 5 Milliarden Euro (ca. 40.000 Schulen).

Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs, wenn die digitale Transformation der Schule betrachtet wird. IKT-Infrastruktur und mobile Geräte sind relativ einfach zu erwerben und einzuführen (nur eine Frage des Geldes und des politischen Willens – und professioneller IKT-Unterstützungsstrukturen). Doch substanzielle Veränderungen im Lehrplan und in der Unterrichtspraxis erfordern einen langen Atem und sind Teil eines Schulentwicklungsprozesses. Am Grund des Eisbergs müssen die Werte und Überzeugungen der Lehrer berücksichtigt werden (siehe Welling et al. 2015). Dies erfordert eine intelligente Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung. Und in dieser Hinsicht stehen die beiden Länder vor ähnlichen Herausforderungen. Daher lohnt es sich, gute Praktiken und Arbeitsrichtlinien zwischen den Ländern auszutauschen. Tatsächlich sind sich die Schulsysteme ähnlicher, als man denken mag.

DATAFIED auf dem Kongress der deutschen Gesellschaft für Soziologie

Juliane Jarke aus TP2 und Vtio Dabisch (TP1) haben gestern (22.09.2020) gemeinsam erste Ergebnisse der beiden Teilprojekte beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vorgestellt. Ihr Vortrag war der erste von vier Beiträgen einer Ad-hoc Gruppe zur Digitalisierung der Bildung. Vito Dabisch nahm in seinem Vortragsteil die zunehmende Datenproduktion und -nutzung zu Schulsteuerung durch Schulaufsicht in den Fokus. Er stellte fest, dass es zu einer zunehmenden Expansion und Verdichtung von Daten und Datenpraktiken kommt. Hierbei sei die gleichzeitige Datenkritik und Datenorientierung der interviewten Akteure auffällig: Schulrät*innen sind teilweise (sehr) skeptisch, wie hilfreich datenbasierte Steuerung ist, andererseits werden mehr und mehr Daten in institutionalisierten Gesprächen genutzt. Schulen sind aufgefordert sich durch „ihre“ Daten „zu sehen“ und mit diesen Daten zu arbeiten.
Juliane Jarke behandelte in ihrem Vortragsteil vor allem, wie sich Schule als Organisation durch Digitalisierung und Datafizierung verändert und wie diese Veränderung erforscht werden kann. Sie hat verschiedene Forschungsartefakte aus TP2 vorgestellt, die erlauben Datenflüsse zu analysieren und zeigen, wie sich Schulen (neu) zu ihrer Umwelt positionieren und Grenzen ihrer Organisation, Aufgaben oder Mitglieder neu verhandelt werden.
Die Presentation zum Vortrag kann auf der Website des ifib abgerufen werden.

DATAFIED. Erste DataSession zur gemeinsamen Auswertung

Data session! Das klingt nach „Jam session“ und das ist es ein Stück weit auch. Wir schauen im Verbund gemeinsam auf unsere Forschungsdaten, interpretieren und überlegen, ob sich ein (dys)harmonisches „Bild“ ergibt. Mitte September trafen sich die vier DATAFIED-Teilprojekte zu einer gemeinsamen Datenauswertung und diskutierten mit Blick auf die im Forschungsfeld erhobenen Interviewauszüge mögliche Auswertungsschnittmengen. Die Data session bildet den Auftakt zu einer Reihe von rekonstruierend bis qualitativ interpretierend gestalteten Auswertungssitzungen, aus denen bis Ende des kommenden Jahres ein Buch entstehen wird, welches die DATAFIED-Ergebnisse für die Öffentlichkeit zur Diskussion stellt.

Grafik von: Business vector created by katemangostar – www.freepik.com

DATAFIED auf der 4S / EASST 2020 Tagung in „virPrague“

Ein Screenshot aus der Präsentation von Irina Zakharova und Dr. Juliane Jarke, weitere Teilnehmende wurden mit „Aufklebern“ unkenntlich gemacht.

Vom 18. bis 21. August fand die gemeinsame Konferenz der ‚European Association for the Study of Science and Technology‘ und der internationalen ‚Society for Social Studies of Science‘ (4S) statt. Durch die Corona-Pandemie wurde die Tagung aus der tschechischen Hauptstadt Prag in die „virPrague“ verschoben und digital durchgeführt. Ob das „vir“ dabei für „Virus“ oder „virtuell“ steht, ließen die Veranstalter*innen offen. Trotz der Krisenbedingungen der Pandemie, haben die Veranstalter*innen in kurzer Zeit eine digitale Infrastruktur geschaffen, um die klassischen Vorträge mit den Möglichkeiten der digitalen Kommunikation zu kombinieren und den Teilnehmenden ein Gefühl der Gemeinschaft zu vermitteln.

Das Thema der Konferenz – „Locating and Timing Matters: Significance and agency of STS in emerigng worlds“ – setzte den Fokus auf den situierten Charakter der Handlungen, die unterschiedliche menschliche und mehr-als-menschliche (Engl. „more-than-human“) Akteure in der datafizierten Welt ausüben. Dabei wurden in zahlreichen Podiumsdiskussionen auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die sozialen Praktiken und die Rolle darin der Daten, der Algorithmen und der Informationssysteme kritisch diskutiert.

Als Teil des TP2 am ifib stellten Irina Zakharova und Juliane Jarke im Panel „Kritische Methodologien für Informatik: Theorien, Praktiken und Zukunftsorientierungen“ (Engl. Crafting critical methodologies in computing: Theories, Practices and Future Directions) Ergebnisse aus dem laufenden DATAFIED-Projekt vor. Ihr Vortrag trug den Titel „Software-als-Prozess: Reflexion von diskurs-, karten- und prozess-basierten Forschungsartefakten“ und reflektierte methodologische Überlegungen zur Erforschung von Informationssystemen.

Die Autorinnen bezogen sich auf feministische Epistemologien (z.B. Puig de la Bellacasa 2011, 2017, Mol 2002) als Grundlage, die zum Verständnis der „flüssigen“, sich immer verändernden Prozesse in Informationssystemen beiträgt. Das Ziel war es zu explorieren, wie die Konzepte der Sorgearbeit (Engl. „care-work“) und die Anwendung unterschiedlicher Forschungsartefakte (Interviewtranskripte, Karten und Prozessmodelle) dabei unterstützen, die Zusammenarbeit der Schulinformationssysteme und der vielen in der digitalisierten Schule beteiligten Akteure als eine anhaltende, kontinuierliche, emotionale Beziehung zu untersuchen. Dabei wurde Sorgearbeit nach Puig de la Bellacasa (2017) als affektiver Zustand, Arbeit und ethisch-politische Verpflichtung verstanden. So, zeigten die Autorinnen auf empirischen Beispielen auf, wie Schulinformationssysteme bestimmte Praktiken der Sorgearbeit ermöglichen oder einengen. Wenn Praktiken der Sorgearbeit an einer Stelle eingeengt werden, öffnen sich alternative Räume, in welchen sich sowohl menschliche als auch mehr-als-menschliche Akteure gemeinsam an der Sorgearbeit beteiligen. Außerdem gehört die Sorge für die mehr-als-menschlichen Akteure wie beispielsweise digitale Daten, zu den Praktiken, die von Schulinformationssystemen erfordert werden, damit der Bildungsauftrag der digitalen Schule erfolgreich umgesetzt werden kann.

Als Gesamtergebnis aus dem Panel haben sich die Organisator*innen und Diskutant*innen zu einem Folgetreffen in September verabredet, um weiter gemeinsam über kritische Methodologien und ihre Rolle in Erforschung der Informationssysteme nachzudenken.

Sechstes Verbundtreffen von DATAFIED – erneut in digitaler Form

Eine Rückkehr zur Normalität ist in Zeiten der COVID-19 Pandemie noch nicht absehbar und so wurde auch das zweite Verbundtreffen dieses Jahr statt in Hamburg wieder virtuell über die Konferenzplattform Zoom realisiert. Geprägt war das Treffen, welches vom 29.06. bis zum 01.07.2020 stattfand, von einem guten und zielführenden Austausch zwischen den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen.

Per Videokonferenz wurden am ersten Tag bisherige Ergebnisse zusammengefasst, erste Analyseergebnisse sowie Publikationsideen geteilt. Der gute Austausch brachte weitere Ideen für Synergien zwischen den Teilprojekten hervor, die nun weiterverfolgt werden.

Vorausschauend wurden am zweiten Tag verschiedene Möglichkeiten der Ergebnisdistribution besprochen. Neben der Wissenschaftscommunity sollen auch die Praxispartner erfahren was DATAFIED herausgefunden hat. Uns ist es ein besonderes Anliegen „etwas zurückzugeben“.

Im zweiten Teil des zweiten Tages konzentrierten sich die Teilnehmer auf die Folgen der Corona-Krise auf das Projekt DATAFIED. In allen vier untersuchten Bundesländern wurden Schulen für mehrere Wochen geschlossen, sodass eine Forschung vor Ort nur schwer möglich war. Auch andere Ansprechpartner außerhalb der Schule hatten zunächst einen anderen Fokus und Interviews – insbesondere vor Ort – waren nicht möglich. Es wurden verschiedene Szenarien diskutiert und Möglichkeiten geprüft, den Zeitverlust auszugleichen.

Am dritten und letzten Tag des Verbundtreffens standen die Doktorand*innen im Mittelpunkt – getreu dem Motto: „Von A wie Arbeitsbelastung bis Z wie Zeitmanagement“. Um diese Themen ging es im PhD-Slot des DATAFIED-Verbundtreffens am vergangenen Mittwoch.

Im virtuellen „bring your own coffee cup“ BYOCC-Format diskutierten die fünf PhDs, Ben Mayer, Vito Dabisch, Tjark Raabe, Jasmin Tröger und Irina Zakharova, mit der Forschungskoordinatorin, Annekatrin Bock die großen und kleinen Herausforderungen, welche die Arbeit in einem interdisziplinären Verbundprojekt in Zeiten von COVID-19 mit sich bringen. Wie geht Feldforschung ohne Feld? Wie finden sich Schnittmengen zu Verbundprojekten, wenn eigene Ergebnisse noch sortiert werden müssen? Wie wird eine Dissertation in drei Jahren geschrieben und was kommt danach? Die Teilnehmer hoffen auf ein persönliches Treffen im Oktober 2020, dann auch ganz sicher wieder mit analogen Kaffeetassen!

Auch wenn ein Treffen in Persona sicher reicher gewesen wäre, haben wir wichtige Themen klären können und neue Impulse gewonnen.

Speculative Fiction als Untersuchungsmethode: Prof. Dr. Felicitas Macgilchrist stellt Paper an Universität Utrecht vor

Screenshot vom Seminar „Transmissions in Motion“ der Universität Utrecht

Wie sieht Schule im Jahr 2040 aus? Welche soziotechnischen Assemblages werden geformt? Wie werden Lernende als Subjekte adressiert?

Diese Fragen stellt sich Prof. Dr. Felicitas Macgilchrist in ihrem PaperStudents and society in the 2020s. Three futurehistoriesof education and technology”, das sie gemeinsam mit Heidrun Allert und Anne Bruch geschrieben hat und über welches sie im Seminar “Transmissions in Motion” der Universität Utrecht berichtete. In ihrem “Social Science Fiction”-Paper formulieren die Autorinnen drei unterschiedliche Zukunftsversionen. 

In der ersten werden Lernende zu sogenannten „smooth users“ , die sich selbst im Streben nach reibungsloser Effizienz innerhalb eines post-demokratischen Rahmens, der von großen Konzernen geschaffen wurde, optimieren. Weil in den 2020ern auf Digitalisierung und ihre Herausforderungen reagieren werden musste, wurde Bildung wurde durch technologische Unterstützung “geglättet”, Entrepreneur*innen und Tech-Unternehmen wurden zu Berater*innen der Regierung, Entscheidungen fanden hinter verschlossenen Türen statt und die Schulen wurden von Unternehmen abhängig. Lernsoftware wurde besonders benutzerfreundlich, reibungslos und wegweisend designt, was die Schüler*innen weniger selbstständig werden ließ, vor allem in nicht-kognitiven Lerndimensionen, und ihre Selbstoptimierung wurde zum maßgeblichen Prozess. 

Die zweite Vision sagt Lernende als „digitale Nomaden“ voraus, welche Freiheit, Individualismus und ästhetische Freude als Solopreneurs suchen, welche staatliche Regulierungen und algorithmische Regeln ausnutzen, während sie tief in eine kapitalistische neue Ökonomie einsteigen. In den 2020ern lebten diese Nomaden in Ländern mit geringen Lebenshaltungskosten, arbeiteten aber in Hochlohnländern. Durch ein Verständnis von Algorithmen und eine authentische, unabhängige Entrepreneur-Identität bauten sie eigene Marke auf, verdienten dadurch sehr viel Geld, auch weil sie staatliche Regulierungen wie Steuern umgingen, und schulten ihre Kinder online und/oder zuhause. Die technische Unterstützung ihres holistischen Lebensstils erfolgte vor allem durch Techniken wie das Life-/Bio-Hacking und die Datenmonopole großer Tech-Riesen manifestierten sich. 

In der dritten Vision sind Lernende partizipatorische, demokratische, ökologiebewusst lebende  Menschen, eingebettet in eine „kollektive Handlungsfähigkeit“, die Institutionen als Räume für die Erforschung gerechterer Lebensweisen sehen. In den 2020ern wurde realisiert, dass der Kapitalismus schlechte Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit, Umwelt und Unabhängigkeit hatte. Privacy by Design wurde in der EU Pflicht für Lernsoftware, OER und Open Source wurden gefördert und etabliert, Schüler*innen lernten in Hackathons, Software zu verändern und zu entwickeln und Datenaktivismus sowie demokratische, umweltbewusste Verantwortung wurden geschult. 

Die drei Visionen entstanden aus der Analyse derzeitiger Bildungsdiskurse und entwicklungen. In diesem kritischen, diskurstheoretischen Forschungsansatz lag der Fokus vor allem auf Prozessen der Subjektivierung. Der Ansatz bietet zudem mehrere Zugänge für folgende Forschungsfragen, da ein spekulativer Approach in (ethnografischer) Forschung dabei helfen kann, relevante Ereignisse bzw. Brüche besser wahrzunehmen und neue Gegenstände zu erkennen.  

Als ein solches GegenstandsBeispiel nennt Macgilchrist im TiM-Seminar-Podcast die Datafizierung. Hier könnten durch ein spekulatives Forschungsdesign das Tracking von Lernenden, die kapitalistische Nutzung der (Lern)daten und Beispielprojekte, in denen auf Data Justice wertgelegt wird, genauer analysiert werden. In ihrem gerade entstehenden Paper über Predictive Analytics widmen sich Felicitas Macgilchrist und Juliane Jarke aus dem DATAFIED-Projekt beispielsweis einem Programm, dass Schüler*innen meldet, deren Versetzung gefährdet ist. Ein Bereich dieser Software ist das “Social Learning” als prädiktiver Faktor. Hier trackt die Software, welche Lernenden besonders viel mit anderen innerhalb der Plattform kommunizieren, was dann in einer Netzwerkkarte mit Farbcodes visualisiert wird und in die Risikoanalyse einfließt. Das Problem: die Software trackt keinen physischen Austausch unter den Lernenden, sondern nur das, was auf der Plattform selbst stattfindet. In Zukunft könnte es also sein, dass die Lernenden ihre Kommunikation komplett auf die Plattform verlegen, um einer negativen Risikoeinschätzung durch das System entgegenzuwirken. Wichtige risikomindernde face-to-face Interaktionen könnten von Lehrenden übersehen werden, da sie nicht vom Softwaresystem “mitgezählt” werden. 

Für ein Problem hält Macgilchrist, dass sich der öffentliche bildungspolitische Diskurs noch zu sehr auf die Verfügbarkeit von und Ausstattung mit Hardware konzentriert. Software wird hier fast ganz ignoriert, obwohl auch sie wichtige politisch-soziale Fragestellungen impliziert: Wie sind Entwickler*innen hinsichtlich sozialer Implikationen ihrer Handlungen geschult? Warum ist dies bisher kein Teil ihrer Ausbildung und was bedeutet das? Wie divers sind Entwicklerteams und wie spiegelt sich dies in Software wider? Wie können Erfahrungen von Ausgrenzung in Softwareentwicklung einfließen und wie wird auf Diskriminierungsvorfälle in Lernsoftware reagiert? 

 

Links zum erwähnten Paper und dem Vortrag: 

Felicitas Macgilchrist, Heidrun Allert & Anne Bruch (2020) Students and society in the 2020s. Three futurehistoriesof education and technology, Learning, Media and Technology, 45:1, 76-89, DOI: 10.1080/17439884.2019.1656235 

What Follows for Students & Society in the 2020s? 3 Speculative Futures for Education & Technology” (Recorded Session) https://transmissioninmotion.sites.uu.nl/tim-recorded-session-what-follows-for-students-society-in-the-2020s-three-speculative-futures-for-education-technology/ 

TiM Seminar Podcast #3: Felicitas Macgilchrist on Speculative Futures for Education and Technology https://transmissioninmotion.sites.uu.nl/tim-seminar-podcast-3-felicitas-macgilchrist-on-speculative-futures-for-education-and-technology/ 

Fazit zur Online Ringevorlesung „BILDUNGSDIALOG.DIGITAL: Inside Bildungsforschung“

Wie bereits angekündigt fand am 05.05.2020 im Rahmen der online Ringvorlesung „BILDUNGSDIALOG.DIGITAL: Inside Bildungsforschung“ die Präsentation des DATAFIED Projekts statt.

DATAFIED in Online Ringevorlesung „BILDUNGSDIALOG.DIGITAL: Inside Bildungsforschung“

Stellvertretend für die mitwirkenden Wissenschaftler*innen des Verbundprojekts berichtete Prof. Dr. Andreas Breiter über die Hintergründe, den aktuellen Stand und die angestrebten Ziele des Projekts. Insgesamt 20 Teilnehmer*innen erhielten in dem halbstündigen Vortrag detaillierte Einblicke in die vielseitige Forschungsarbeit. 

Im Anschluss fand eine rege Diskussion statt. Im Fokus standen Fragestellungen zur Veränderung der Digitalisierung von Schulen – insbesondere auch vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19 Pandemie. 

Fünftes Verbundtreffen von DATAFIED in Form einer Videokonferenz

Digital unterwegs: Das fünfte Verbundtreffen findet als Videokonferenz statt

Die weltweite Ausbreitung von COVID-19 und die damit zusammenhängenden regulatorischen Maßnahmen stellen Forschende in der Wissenschaft vor große Herausforderungen. Doch auch in Zeiten von Kontaktsperren und Homeoffice ist es wichtig, dem Stillstand wissenschaftlicher Arbeit entgegenzuwirken.

Am 27. und 28. April fand aus diesem Grund das fünfte Verbundtreffen des Projekts DATAFIED als online Veranstaltung statt. An zwei aufregenden Tagen wurden im Rahmen des ersten Quartalstreffen im Jahr 2020 viele inhaltliche und organisatorische Themen angesprochen und diskutiert.

Am ersten Tag stellten die einzelnen Teilprojekte per Videokonferenz ihre bisherigen Erkenntnisse vor, die als Basis für aufschlussreiche und fruchtbare Diskussion dienten. Es konnten außerdem weitere Synergien und teilprojektübergreifende Themen identifiziert werden, welche die Arbeit zwischen den einzelnen Forschungsgruppen weiter intensivieren werden und spannende Kooperationsmöglichkeiten bieten.

Doch auch der Umgang mit den aus der grassierenden Coronaepidemie entstehenden Herausforderungen und den daraus resultierenden Veränderungen im schulischen Bildungssektor wurde thematisiert. Schulen in allen Bundesländern sind aktuell von Schließungen betroffen und die Corona-Krise erfordert einen verantwortlichen Umgang mit der Situation. Alle Mitarbeiter*innen in Schulen und Bildungseinrichtungen bemühen sich deshalb, den Unterricht weiterzuführen und bedienen sich daher oftmals digitaler Tools. Durch diese Veränderungen innerhalb der Forschungslandschaft Schule bieten sich einmalige Gelegenheiten, die von Teilprojekten des DATAFIED Projekts wahrgenommen werden. So werden beispielsweise Video- oder Telefoninterviews mit Betroffenen durchgeführt, während außerdem die Analyse von Software und Systemlandschaften voranschreitet.

Am zweiten Tag des Verbundtreffens wurde den Doktorandinnen und Doktoranden Raum gegeben, sich über Probleme und Ideen auszutauschen. Auch dieser erfrischende Austausch erfolgte mithilfe des Einsatzes eines Videokonferenztools und bot spannende Einblicke in die Arbeit der Doktorandinnen und Doktoranden.

Insgesamt war es ein erfolgreiches, aufregendes Verbundtreffen. Über das Format der Videokonferenz konnten insgesamt viele Einblicke in den bisherigen Stand und Ergebnisse für das weitere Vorgehen gesammelt werden. Obwohl das bisherige soziale Get-Together nicht ersetzt werden konnte, wurde ein fruchtbarer Austausch möglich.

DATAFIED-Puzzle

DATAFIED in Online Ringevorlesung „BILDUNGSDIALOG.DIGITAL: Inside Bildungsforschung“

Auch in Krisenzeiten steht der wissenschaftliche Austausch nicht still.

Im Rahmen der ab dem 28.04.2020 wöchentlich stattfindenden Online-Ringvorlesung „BILDUNGSDIALOG.DIGITAL: Inside Bildungsforschung“ werden deshalb verschiedene geförderte Projekte vorgestellt, um aktuelle Fragen im Kontext von Bildung und Digitalisierung zu diskutieren.  Die Sitzungen, die an insgesamt 12 Terminen stattfinden, bestehen dabei aus einem 15 bis 30-minütigen Input aus einem Projekt mit einer anschließenden Diskussion mit den Teilnehmenden. 

Neben vielen interessanten Projekten wird auch das DATAFIED Projekt bei diesem wertvollen Austausch dabei sein. Vertreten durch Prof. Dr. Andreas Breiter wird das Verbundprojekt am 05.05.2020 vorgestellt. Zur Teilnahme an der Vorlesung einschließlich der anschließenden Diskussion laden wir herzlich ein.  

Zugang zu der Ringvorlesung finden Sie hier: 

Termine: Wöchentlich ab dem 28. April 2020

Uhrzeit: 15:00 – 16:00

Ort: https://onca.adobeconnect.com/insidebildungsforschung/